Musik auf dem Zeichenblock PDF Drucken

Ganz perfekt ist die Zeichnung noch nicht: Die Künsterlin Aja von Loeper (rechts stehend) gibt Anna-Lena Müller Tipps. Foto: Michael MatejkaAnna-Lena Müller malt Hip-Hop und Science-Fiction

Hip-Hop könnt ihr hören, Science-Fiction seht ihr im Kino. Beides lässt sich auch zeichnen — behauptet die Künstlerin Aja von Loeper. Ob das wirklich funktioniert, hat unsere Mitarbeiterin Anna-Lena Müller (19) ausprobiert. Sie hat bei Loepers „Science–Fiction und Hip-Hop“-Zeichenkurs im KunstKulturQuartier in Nürnberg mitgemacht.

Sicher kennt ihr das aus dem Kunstunterricht: Wenn das Thema vom Lehrer gestellt wird, wissen die einen sofort, wie sie es umsetzen wollen — sie sprühen nur so vor Einfällen. Die anderen sitzen völlig planlos vor dem weißen Blatt Papier und suchen krampfhaft nach einer Idee. Ich gehöre eindeutig zur zweiten Gruppe.

Das fällt mir wieder ein, als ich die Räume der Kunsthalle betrete. Gleich soll ich mich als Science-Fiction- und Hip-Hop–Zeichnerin versuchen — hoffentlich blamiere ich mich nicht. Noch mulmiger wird mir, als ich meine Zeichenkurs-Mitstreiter erblicke: An einem großen Tisch im Foyer sitzen etwa 20 Leute. Eine bunt gemischte Gruppe, denke ich. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind dabei. Ein paar Teilnehmer erzählen mir, dass sie gekommen sind, weil sie gerne mal „etwas Neues“ kennen lernen wollten.
Inspiration gesucht

Paul (9), der Jüngste im Bunde, mag beispielsweise Science-Fiction und malt in seiner Freizeit gerne. Neue Inspirationen sucht Claudia (27), die am liebsten Manga-Figuren zeichnet. Und uns alle verbindet die Neugierde, wie Science-Fiction und Hip-Hop in der Kunst umgesetzt werden kann.
Die Künstlerin Aja von Loeper spannt uns nicht weiter auf die Folter. Sie gibt uns die erste Aufgabe: Zehn Minuten alleine durch die Ausstellung der Chinesin Cao Fei zu gehen, die zur Zeit im KunstKulturQuartier gezeigt wird. Wir sollen uns von unseren ersten Eindrücken inspirieren lassen.
Mit Zettel und Stift bewaffnet gehen wir los. Ich bin voll konzentriert und will mögliche Ideen gleich aufs Papier bringen. Wenn das mal so einfach wäre.

Beste Künstlerin Chinas

Einfälle habe ich zwar, aber wie soll ich die bloß zeichnen!? Nach langem Überlegen entscheide ich mich, eher einfache Gegenstände zu malen — das kann ja wohl nicht so schwer sein. Kaum habe ich mit dem Zeichnen begonnen, sind die zehn Minuten auch schon um. Ich muss wieder zurück zum Zeichentisch. Aja von Loeper und meine Mitstreiter warten schon. Gemeinsam analysieren wir unsere Skizzen. Ich finde, dass mein „Kunstwerk“ nicht besonders gut gelungen ist. Doch glücklicherweise lacht mich keiner aus. Aja behauptet sogar, dass sie mit mir zufrieden ist.

Nach der Besprechung gehen wir nochmal zusammen durch die Ausstellung. Aja gibt uns genauere Informationen zu Cao Fei und ihren Kunstwerken. Das ist auch dringend notwendig, denn bei meinem Alleingang hat mich die Ausstellung verwirrt. Filme wurden abgespielt, die Personen sprachen chinesisch, so dass man kein Wort verstehen konnte — für mich ergab die ganze Inszenierung keinen Sinn.
Nach dem Rundgang mit Aja ändert sich das: Cao Feis Ausstellung heißt „Journey“ (Reise) und ist die erste große Einzelausstellung der Künstlerin. Cao Fei (30) wurde 2006 in China als beste Künstlerin ausgezeichnet und hatte damit ihren Durchbruch. In ihren Werken vermischt die Chinesin zwei Welten, die reale und die virtuelle. Im Video „cross player“, hat Cao Fei das besonders gut umgesetzt: Sie hat ihre Freunde gebeten, sich als Science-Fiction-Figuren zu verkleiden und sie in ganz normalen Alltagssituationen gefilmt. Das sind wirklich sehr merkwürdige Bilder!

Die 30-jährige Chinesin hat außerdem viele Hip-Hop-Projekte durchgeführt. Dabei hat sie Leute auf der Straße angesprochen und gefragt, was sie unter Hip-Hop verstehen. Die „Antworten“ hat sie gefilmt — das ist sehr lustig anzusehen. In der Ausstellung gewinnt man viele Eindrücke über China und weil ich erst letztes Jahr dort war, fand ich die Darstellungen besonders spannend. Um aber zu verstehen, was Cao Fei mit ihren Videos und Bildern ausdrücken will, muss man sich viel Zeit nehmen und alles auf sich wirken lassen. Am besten macht ihr euch selbst ein Bild davon, bis 15. Februar habt ihr noch Zeit.

Voller Körpereinsatz

Nach dem gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung denken wir Zeichenkurs-Teilnehmer, dass wir verstanden haben, was Cao Fei uns sagen will. Wir wollen endlich losmalen und setzen uns wieder an den Tisch.

Der eigentliche Zeichenkurs beginnt. Zuerst probieren wir mit Kohlestiften verschiedene Techniken auf einem weißen Blatt Papier aus. „Im Stehen, mit vollem Körpereinsatz klappt’s am besten“, ermuntert uns Aja. Doch das mit dem Zeichnen und mir will immer noch nicht so recht klappen. Ich versuche, Struktur auf das Papier zu bekommen, setze den Stift auf verschiedenste Weise ein. Um dunkle Stellen zu zeichnen, soll ich mit der Spitze auf das Blatt tupfen oder einfach fest aufdrücken und mit schnellen Bewegungen drauf los zu malen. Klappt nicht. Alles schaut irgendwie gleich schwarz aus.
Also versuche ich weiche Strukturen. Mine flach aufs Papier legen, oder die Stiftspitze ganz sanft über das Papier „gleiten“ lassen, empfiehlt mir Aja. Auch das funktioniert nicht.
Damit ich bessere Zeicheneffekte hinbekomme, soll ich etwas unter den Zeichenblock legen, sagt Aja. Etwas weiches, beispielsweise eine Jacke. Dann federt das Papier wie ein Trampolin. „Einfach drauf los malen und spüren!“ ruft die Künstlerin. Ich male und spüre die Jacke. Wie Hip-Hop oder Science-Fiction schaut mein Gekritzel aber nicht aus. Das ist der Zeitpunkt, an dem ich aufgebe. Ich bin keine Künstlerin. Interessant war der Ausflug in die Zeichenwelt trotzdem.

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