Hip-Hop hat viele Gesichter PDF Drucken

Die Erlanger Rapper SorD und phuX Mulder (von links) treten an und auf als Vorgestellt: fünf fränkische Rapper und ein DJ 

Hip-Hop wird alt, doch man merkt es ihm nicht an. Ein DJ, der von zwei MCs begleitet wird, das gab es erstmals Anfang der Siebziger Jahre. Nun geht der langsame Beat ziemlich rasant auf die 40 zu. Als damals DJs wie Kool DJ Herc und Grandmaster Falsh in Begleitung von MCs Hip-Hop in dem New Yorker Stadtteil Bronx erfanden, waren die Nürnberger Rapper Nemo Nemesis, NATO, DJ Phast und das Erlanger Duo Frontrapperkonferenz noch nicht einmal geboren. Unsere drei Porträts zeigen: Im Großraum Nürnberg gibt es eine aktive Hip-Hop-Szene.

 

Hier kommst du direkt zu den Band-Porträts:  

Nato und DJ Phast

Nemo Nemesis

Frontrapperkonferenz

Nato und DJ Phast

Ausgeprägter als in anderen Musikszenen ist im Hip-Hop der Underground-Gedanke. Soll heißen: Beim Komponieren der Lieder achten Underground-Rapper nicht darauf, ob es möglichst vielen Leuten gefallen könnte. Für sie zählt nur der Inhalt ihrer Texte und der künstlerische Aspekt ihrer Arbeit.

So auch das Duo „Never Attack The Originals“, kurz: NATO, aus Nürnberg — das in der Szene ausgelutschte U-Wort verwenden sie aber nicht. „Unser Ziel ist es, noch öfter europaweit aufzutreten“, erklärt Daniel Witherspoon (30) alias D-Phunk. Gemeinsam mit Marc Fleer (30) alias Madrush nimmt er gerade ein neues Album auf.

NATO werden regelmäßig in Ost- und Nordeuropa gebucht. Dass sie dort so beliebt sind, hat zwei Gründe: Ihr Stil in Begleitung diverser Live-Instrumente ist abwechslungsreich. Und sie rappen auf Englisch, das versteht fast jeder. Mit deutschen Texten wäre die Nachfrage in Europa natürlich wesentlich geringer.

„Unser Hip-Hop bedient sich bei Rock, Stevie Wonder, De La Soul oder auch Country“, sagt Marc. Und Daniel ergänzt: „Underground ist für uns, wer nur auf einen Stil fixiert ist. Doch wer Underground zu ernst nimmt, bleibt unter dem Grund.“

Deshalb sind NATO noch lange nicht Mainstream, worauf auch der Titel ihres nächsten Albums hinweist: „Major Disaster“. „Das soll heißen, dass wir beide für ein Majorlabel ein Desaster wären – wir sind weder sieben Mal angeschossen worden noch rappen wir über nackte Frauen. Unsere Texte sind sozialkritisch, auch mal witzig, aber kein Ghetto-Rap.“

Ghettomäßig ist lediglich ihr Tonstudio in einem stillgelegten Fabrikgebäude. Obwohl die Heizung nicht richtig funktioniert, sitzt hier schon den ganzen Winter über ihr Kumpel Philipp Lang (25) alias DJ Phast am Mischpult. Der gelernte Tontechniker reiht die Reime von NATO mit denen echter Szenegrößen aneinander: Für „Major Disaster“ schickte etwa der Brite Blak Twang ein paar Zeilen.

Philipp ist übrigens auch gelernter Goldschmied. Nicht zuletzt deshalb heißt die von ihm organisierte Hip-Hop-Party in der Nürnberger Disco Mach 1 „Schwarz & Gold“.

www.nato-music.com

Nemo Nemesis

Drei CDs hat Nemo Nemesis (26) bereits vorgelegt, allesamt mit nachdenklichen Texten. Die neue CD „Fragmente 2“ kommt im April. Als Kind der Neunziger hat Hip-Hop für Nemo, der seinen bürgerlichen Namen hier lieber nicht lesen will, eine komplett andere Bedeutung als für die Pioniere. Mit der Old School kann der Franke nichts anfangen – ebenso wenig wie mit dem derzeit grassierenden Porno-Rap, den er als gesellschaftliches Phänomen sieht.

„Deutscher Hip-Hop war lange ein Mittelschichtsphänomen, wurde von Kids gehört, die gegen das System rebellieren wollten“, erklärt er. Die Unterschicht hingegen zieht es oft zu dem, was sie im wirklichen Leben nicht hat: Kohle, Weiber, Autos, Ruhm. Rapper wie Sido und Bushido liefern diese Träume frei Haus und versprechen den Ausstieg aus dem programmierten Loser-Leben.

„Im Prinzip müssen wir uns selbst an die eigene Nase fassen und uns fragen, warum ein Lebensmodell wie das von Sido attraktiver ist als alles, was es sonst im Angebot gibt“, sagt Nemo selbstkritisch. „Viele Jugendliche haben in ihrem Umfeld keinen einzigen Erwachsenen, der zum Vorbild taugt. Das ist doch die eigentliche Tragik.“ Statt dem Trend zu folgen, besinnt sich Nemo lieber auf die alternative Hip-Hop-Kultur. Seine Texte spiegeln sein Lebensumfeld wider. Wenn er über Frauen rappt, dann stets mit Respekt.

„Derzeit steht dieses ganze Gangster-Rap-Ding in voller Blüte, doch jede Blüte verwelkt irgendwann.“ Nemo ist Idealist und glaubt an die Kraft von intelligenten Reimen – und an die Rückkehr von Hip-Hop mit Hirn. Dafür kämpft er: Die Rap-Workshops, die er an Brennpunktschulen und in Jugendtreffs gibt, sind (s)ein Anfang.

Ein Hinweis für alle, die Nemo Nemesis live erleben wollen: Am Samstag, 14. März, tritt er in der Luise, Scharrerstraße 15 in Nürnberg, auf.

www.nemo-nemesis.de

Frontrapperkonferenz

Denis Tadic (23) und Bartek Kukulka (25) nennen sich SorD und phuX Mulder. Unter dem Namen „Frontrapperkonferenz“ stehen die beiden Erlanger nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Handelsregister. „Wir haben eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts gegründet, denn das ist steuerlich wichtig“, erklärt Wirtschaftsstudent Bartek.

Ihr aktuelles Album heißt „Über dem Erfolg“. Der Titel spielt darauf an, dass sich beide bewusst nicht so ernst nehmen wie ihre Szene-Kollegen. Bartek: „Das Schlimmste ist, wenn du vor einem Publikum auftrittst, in dem einer versucht, cooler zu sein als der andere. Unseren Intro-Song ,Reißt diesen Laden ab‘ spielen wir deshalb am liebsten in Jugendzentren vor Leuten, die Party machen wollen. Wir stehen für Entertainment.“

Daher treten sie in Nürnberg am liebsten im Jugendhaus Quibble auf. Ihr bestes Lied spielen sie live leider nicht, „weil es zu wenig abgeht“. Doch das Stück „Gäbe es dies nicht“ klingt so gut wie „Tag am Meer“ von den Fantastischen Vier. Vergleicht man die Stuttgarter mit den Erlangern, fällt eine eindeutige Schnittmenge auf: Ihr Rap hat Humor.

http://www.frkstyle.com/

MARTIN SCHANO, STEFAN GNAD

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S.C.O  - aha   |IP-89.60.109.xxx |09-11-2009 15:19:12
mehr als drei habt ihr nicht gefunden? schaut euch mal um!

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