Mehr Studis kriegen Bafög PDF Drucken

Einen Bafög-Antrag auszufüllen, ist mühselig. aber es kann sich lohnen. Foto: Daniela DeegDas "Mittelstandsloch“ soll kleiner werden

Große Ziele? Karriere machen? Aber kein Geld?! Und du willst trotzdem studieren? Da kann das Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz Bafög genannt, helfen, das jetzt noch mehr Möglichkeiten bietet.

Durch die Reform ist vor allem der sogenannte Freibetrag um acht Prozent angehoben worden. Der Freibetrag regelt das Einkommen oder Vermögen, das jemand hat – und zwar nicht nur er selbst, sondern auch seine Eltern oder Ehepartner – und wie viele Familienangehörige damit versorgt werden müssen.

Bisher sind viele Studierende in das „Mittelstandsloch“ gefallen. Das bedeutet: Die Eltern verdienen zu wenig, um ein Studium zu finanzieren, aber immer noch zu viel, um Bafög für ihr Kind zu erhalten. Die Anhebung der Freibeträge soll gerade Kindern aus solchen Mittelschichtfamilien helfen.
Aber Achtung: Wer Bafög beantragt, muss alle seine Konten angeben – auch solche, von denen er unter Umständen gar nichts weiß. Holt euch von der Bank eine vollständige Liste! Seit ein paar Jahren fahnden die Behörden in Bayern regelrecht nach „Bafög“-Sündern“, die die Förderung zu Unrecht abgestaubt haben.

Natürlich sind auf diese Weise echte Betrüger erwischt worden. Aber es sind auch Hunderte von unschuldigen Studierenden strafrechtlich verfolgt worden – weil zum Beispiel die Oma ein Sparbuch auf den Namen „des Enkerlas“ angelegt und daheim bei sich im Schank liegen hatte.

Eine zweite Folge der Reform: Es gibt mehr Geld oder im Bafög-Deutsch: Die Bedarfssätze sind gestiegen. Der Bedarfssatz beschreibt theoretisch die Summe dessen, was ein Student zum Leben braucht: Miete, Essen, Kleidung, Lehrmittel, Fahrtkosten und Studiengebühren. Die maximale Summe, also der „Höchstsatz, beträgt 643 Euro im Monat. Mehr bekommt keiner, aber viele kriegen weniger.

Wer nicht den Höchstsatz erhält, oder wer damit nicht auskommt, darf jährlich 4800 Euro hinzuverdienen, ohne dass gekürzt wird. Das entspricht einem Minijob auf 400-Euro-Basis. Dieser Nebenverdienst muss dem Amt allerdings auf jeden Fall gemeldet werden.

Erste Wirkungen hat die Reform schon gezeigt: „Wir haben im abgelaufenen Wintersemester schon ein kleines Plus bei der Zahl der Anträge verzeichnet“, sagt Rudolf Anthofer, Leiter des Bafög-Amts beim Studentenwerk Erlangen-Nürnberg, das für die Hochschulen in Erlangen, Nürnberg, Ansbach, Neuendettelsau, Triesdorf und Eichstätt zuständig ist.

In diesem Bereich gibt es ungefähr 43000 Studenten. Davon haben 2007/2008 9700 einen Bafög-Antrag gestellt. Für 7650 von ihnen ist die Förderung bewilligt worden. Dafür hat das Studentenwerk im Jahr 2008 31,36 Millionen Euro ausgegeben. Anthofer geht davon aus, dass die Zahl der Anträge im anstehenden Sommersemester steigen wird – wenn sich die neuen Konditionen erst mal herumgesprochen haben.

Um eine Förderung zu bekommen, müsst ihr einen Antrag ausfüllen und beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung abgeben. Wer den Bafög-Antrag zum ersten Mal stellt, beispielsweise wer im Herbst ein Studium beginnt, sollte der Antrag im August, spätestens im September einreichen. „Dabei müssen noch nicht alle Unterlagen vollständig sein“ verrät Anthofer, „vieles kann nachgereicht werden.“

Die Förderungsdauer beträgt zwölf Monate. Die Folgeanträge müssen dem Amt bereits Ende Juni vorliegen, damit die Förderung durchgängig erfolgt. Und es gibt eine Förderungshöchstdauer. Die entspricht der Regelstudienzeit, für ein Lehramtsstudium für Gymnasium zum Beispiel beträgt sie neun Semester. Nach neun Semestern gibt es dann kein Geld mehr, egal, ob der Abschluss erreicht ist oder noch aussteht. Aber auch während des Studiums muss der Bafög-Empfänger seinem Amt Fortschritte ständig vermelden können.

Wichtig: Lediglich die Hälfte des erhaltenen Geldes ohne Zinsen muss der Geförderte zurückzahlen. Viereinhalb Jahre nach der Förderungshöchstdauer kommt ein Bescheid vom Bundesverwaltungsamt, dass die Rückzahlung fällig wird.

Vor dem Zurückzahlen braucht keiner Panik haben, denn das Geld könnt ihr auch in Raten abstottern. Und das auch nur, wenn ihr überhaupt genug verdient. Zudem gibt es verschiedene Möglichkeiten einen Nachlass zu beantragen, zum Beispiel, wenn man einen sehr guten Abschluss gemacht hat.

Jeder, der schon einmal einen Bafög-Antrag abgegeben hat, weiß genau, welch bürokratischer Aufwand hinter dem Ausfüllen und dem Herbeischaffen aller gewünschten Unterlagen steht. Doch für den einen oder anderen kann sich der Stress wirklich lohnen, da der Staat die Hälfte der Förderung bezuschusst, sprich schenkt. Und wie heißt es doch so schön: Einem geschenkten Gaul.....

DANIELA DEEG/hlo


Info-Seiten im Internet zum Thema Bafög:
www.studentenwerk.uni-erlangen.de
www.bafoeg.bmbf.de

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