| Studierende und ihre Jobs |
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Studenten – das sind doch die, die auf Kosten der Steuerzahler jahrelang vor sich hin lernen und das Geld nachgeworfen kriegen! Vom Bafög-Amt! Im Sommer liegen sie im Erlanger Schlossgarten herum, im Winter machen sie die Skipisten unsicher. Soweit das Klischee. Aber es stimmt meistens nicht. Ein paar Beispiele. Es gibt sie immer noch, die altbekannten Studi-Jobs direkt an der Uni, bei denen man nicht nur (etwas) Geld verdienen, sondern die man auch inhaltlich mit seinem Studienfach kombinieren kann. Sebastian Thalheimer zum Beispiel etwa ist ein Geräte-Hiwi. Hiwi, das ist die Abkürzung von „Hilfswissenschaftler“ und Sebastian arbeitet buchstäblich ganz unten, nämlich im Keller des Geographischen Instituts in Erlangen. Hier ist der Lehramtsstudent zwei Stunden wöchentlich dafür zuständig, die Ausleihe von GPS-Geräten, Schaufeln oder Salzsäure – eben allem, was der Geograph so braucht – zu koordinieren. Dabei nervt er die Kollegen nach deren Aussage in erster Linie mit permanent wechselnden Sprechstundenzeiten. Vorteile bringt ihm dieser Job vor allem durch die zahlreichen Kontakte, die sich am Institut ergeben – dort kennt ihn mittlerweile jeder mit Namen. Die Bezahlung ist bei Hiwis Uni-zentral geregelt: 7,36 Euro gibt es pro Stunde. Auch Emma Hauer, Geschichts- und Politik-Studentin in Erlangen, arbeitet in der Uni. Jeden Freitag hält sie bis 21 Uhr die Stellung in der Geschichtlichen Bibliothek. Außer ihr ist dann dort zwar niemand mehr, aber immerhin verdient sie dort relativ stressfrei Geld und kann nebenbei lesen und lernen – genau das also, was man als Studentin eigentlich hauptberuflich machen sollte. "Und wo drückt bei Ihnen der Schuh?“ Genau das herauszufinden ist die Aufgabe von Carsten Eitmann. Neben seinem Lehramtsstudium arbeitet er regelmäßig in einem Sportgeschäft in Nürnberg als „Technischer Repräsentant“ und berät Kunden zum Thema Sportschuhe. Mit seinem Geographie- und Germanistik-Studium hat das wenig zu tun. Auch wenn er in seiner Freizeit gerne selber Sport treibt, hat er sich den Job vor gut zwei Jahren nicht nach inhaltlichen Herausforderungen ausgesucht sondern nach rein praktischen und finanziellen Aspekten. Der Stundenlohn liegt bei 10 Euro. Ganz anders bei Yvonne Graeff. Die 25jährige hat einen Job, der sie permanent fordert und mit einem Stundenlohn von knapp 30 Euro stimmt auch die finanzielle Seite – allerdings bringt sie hierfür entsprechende Qualifikationen mit, die nicht selbstverständlich sind. Einmal pro Woche nimmt sie es im Rahmen von „Stage Coach Erlangen“ mit acht Fünfjährigen auf und unterrichtet sie in der Schauspielkunst. Obwohl – von Unterricht kann eigentlich keine Rede sein. Da heißt es vielmehr, immer wieder aufs Neue kreativ werden und die Kinder spielerisch aus der Reserve locken, sie kognitiv zu fordern, und das Ganze möglichst fern von traditionellem Frontalunterricht, den die quirligen Kleinen kaum mitmachen würden. Neben den 60 Minuten, die sie tatsächlich mit den Kindern verbringt, heißt es für Yvonne, Zeit zu investieren für die Vorbereitung. Die Lehramtsstudentin der Geographie, Germanistik und des Darstellenden Spiels qualifiziert sich nicht nur durch ihr Studium für einen Job – sie arbeitet außerdem seit über vier Jahren als Regieassistentin im Stadttheater Fürth und hat jahrelange praktische Erfahrung in Theatervereinen. Der Job macht ihr „irren Spaß“ und bringt sie auch in ihrem Studium weiter, beziehungsweise sie kann Inhalte aus dem Studium anbringen. Ohne ihre besondere Vorbildung hätte sie diesen Job nicht bekommen – und genau diese Vorbildung ist es auch, die die gute Bezahlung ausmacht. Neben der willkommenen Aufwandsentschädigung fürs Blut-Spenden finanziert Annika Noack ihr Leben als Studentin mit gleich zwei Nebenjobs: So arbeitet sie zum einen in einem Klamottengeschäft, die andere Hälfte ihrer vorlesungsfreien Zeit verbringt sie mit Bedienen. Die Koordination der Jobs ist für Annika nicht immer einfach und fordert Disziplin und Abstriche bei der Freizeitgestaltung. Mit dem Tablett in der Hand heißt es dann: Immer schön freundlich und vielleicht im Kopf schon mal das Konzept für die nächste Hausarbeit aufstellen. Oder den Terminkalender durchgehen, um festzustellen, ob nicht einer der Jobs mit einem anderen kollidiert. Von wegen fauler Student, der Hausarbeiten eh nicht schreibt und arbeiten erst recht nicht nötig hat?! WIEBKE SCHMALZ
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